Blutzucker & Stoffwechsel

Kaffee und Blutzucker: Erhöht Koffein den Blutzuckerspiegel wirklich?

Recherche & Redaktion 9 Min. Lesezeit
Tasse schwarzer Kaffee neben einem Blutzuckermessgerät auf einem Holztisch am Morgen

Kaffee gilt gleichzeitig als Blutzucker-Bösewicht und als Diabetes-Schutzfaktor, je nachdem, welchen Artikel man gerade liest. Beide Seiten berufen sich auf echte Studien. Kurzfristig, direkt nach dem Trinken, kann Koffein die Insulinsensitivität senken und den Blutzuckeranstieg verstärken. Über Jahre betrachtet ist regelmäßiger Kaffeekonsum in großen Beobachtungsstudien dagegen mit einem niedrigeren Diabetesrisiko verbunden. Beides kann gleichzeitig stimmen, weil es um zwei unterschiedliche Zeiträume und vermutlich auch unterschiedliche Wirkstoffe im Kaffee geht.

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Wer Diabetes hat oder Medikamente einnimmt, die den Blutzucker beeinflussen, sollte Veränderungen beim Kaffeekonsum im Zweifel mit dem Diabetes-Team besprechen.

Kurz zusammengefasst:

  • Akut kann Koffein über eine Ausschüttung von Adrenalin die Insulinsensitivität senken und den Blutzucker nach dem Essen stärker ansteigen lassen
  • Langfristig ist regelmäßiger Kaffeekonsum, koffeinhaltig wie entkoffeiniert, in Beobachtungsstudien mit einem niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden
  • Verantwortlich dafür sind vermutlich andere Inhaltsstoffe des Kaffees wie Chlorogensäure und Magnesium, nicht das Koffein selbst
  • Entscheidend im Alltag ist auch, was zusätzlich in die Tasse kommt: Zucker und Sirup wirken unabhängig vom Koffein-Effekt

Der akute Effekt: Wie Koffein den Blutzucker kurzfristig erhöht

Kurz gesagt: Koffein regt die Ausschüttung von Adrenalin und anderen Stresshormonen an. Diese Hormone können die Aufnahme von Zucker in die Muskelzellen bremsen, wodurch der Blutzucker nach einer Mahlzeit stärker ansteigt als ohne Koffein.

Koffein wirkt im Körper unter anderem, indem es sogenannte Adenosin-Rezeptoren blockiert. Diese Blockade ist auch der Grund, warum Kaffee wach macht, sie setzt aber gleichzeitig eine Kette in Gang, die für den Zuckerstoffwechsel relevant ist. Der Körper schüttet als Reaktion vermehrt Katecholamine aus, allen voran Adrenalin.

Adrenalin ist ein klassisches Stresshormon. In einer echten Gefahrensituation soll es dem Körper schnell Energie bereitstellen, unter anderem indem es die Leber anregt, mehr Zucker ins Blut abzugeben. Gleichzeitig bremst es, wie gut die Muskelzellen auf Insulin reagieren, also wie leicht sie Zucker aus dem Blut aufnehmen können. Der Effekt ähnelt dem, was bei chronischem Stress oder bei akutem Schlafmangel passiert, wo dieselben Stresshormonwege eine Rolle spielen.

Wichtig ist eine Einschränkung: Nach einer Übersichtsarbeit von Battram et al. (2006) im Fachjournal American Journal of Physiology lässt sich der komplette Effekt von Koffein auf die Insulinwirkung nicht allein auf den Adrenalin-Anstieg zurückführen. Die genaue biochemische Kette ist bis heute nicht vollständig geklärt, mehrere Mechanismen scheinen parallel eine Rolle zu spielen, unter anderem eine direkte Wirkung auf die Adenosin-Rezeptoren im Muskelgewebe selbst.

Was die Studien zum kurzfristigen Effekt zeigen

Kurz gesagt: Mehrere kontrollierte Studien, inklusive einer Untersuchung der University of Bath (2022), zeigen einen messbar stärkeren Blutzuckeranstieg nach dem Essen, wenn vorher Kaffee mit Koffein getrunken wurde.

Eine der bekanntesten Untersuchungen zu diesem Thema stammt von Smith et al. (2022) von der University of Bath in Großbritannien, veröffentlicht im British Journal of Nutrition. 29 gesunde junge Erwachsene nahmen an drei unterschiedlichen Nächten teil: einmal mit normalem Schlaf, einmal mit gestörtem Schlaf, und einmal mit gestörtem Schlaf plus einer Tasse schwarzem Kaffee direkt nach dem Aufwachen. Anschließend tranken alle Teilnehmenden eine Zuckerlösung mit einer Kalorienmenge, die einem typischen Frühstück entspricht, während die Forschenden den Blutzuckerverlauf maßen.

Das Ergebnis: Nach der Nacht mit gestörtem Schlaf allein veränderte sich der Blutzucker-Spitzenwert kaum. Kam Kaffee dazu, stieg der Blutzucker-Spitzenwert deutlich stärker an als in der Nacht mit gestörtem Schlaf ohne Kaffee, und auch der Insulinspiegel lag höher. Die Autorinnen und Autoren werteten das als Hinweis darauf, dass Koffein die Fähigkeit des Körpers, mit der Zuckerlast einer Mahlzeit umzugehen, kurzfristig verschlechtern kann, unabhängig vom Schlaf in der Nacht davor. Wie bei den meisten Laborstudien zur akuten Wirkung ist die Teilnehmerzahl klein, die Ergebnisse liefern deshalb eher einen Hinweis als einen endgültigen Beweis.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Robertson et al. (2018) in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, die mehrere kontrollierte Studien zur akuten Koffeinwirkung zusammenfasst. Über die einzelnen Studien hinweg zeigte sich ein konsistentes Muster: Koffein, isoliert eingenommen, senkt bei gesunden Menschen kurzfristig die Insulinsensitivität und verschlechtert die Glukosetoleranz nach dem Essen.

Eine ältere, häufig zitierte Studie von Keijzers et al. (2002) im Fachjournal Diabetes Care fand einen vergleichbaren Effekt speziell bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Reines Koffein, unabhängig von Kaffee als Getränk, verschlechterte auch bei ihnen kurzfristig die Insulinwirkung nach den Mahlzeiten.

Bemerkenswert ist dabei die Unterscheidung zwischen reinem Koffein, etwa aus Kapseln, und Kaffee als komplexem Getränk. Mehrere der zitierten Untersuchungen arbeiteten gezielt mit isoliertem Koffein, um genau diesen einen Wirkstoff zu isolieren. Das erklärt einen Teil der später beschriebenen Auffälligkeit zum Langzeiteffekt.

Blutzucker morgens zu hoch und Dawn-Phänomen Lesen Sie auch Blutzucker morgens zu hoch: Ursachen, das Dawn-Phänomen und was Sie tun können

Für die Morgenstunden kommt noch ein zweiter Effekt hinzu, der in der Praxis oft mit der Kaffeewirkung verwechselt wird. Bei vielen Menschen steigt der Blutzucker in den frühen Morgenstunden ohnehin an, weil der Körper über Nacht vermehrt Hormone wie Cortisol und Wachstumshormon ausschüttet, um den Kreislauf auf den Tag vorzubereiten. Dieses sogenannte Dawn-Phänomen wird im Artikel Blutzucker morgens zu hoch ausführlich erklärt. Wer den ersten Kaffee direkt nach dem Aufwachen trinkt, addiert den akuten Koffein-Effekt möglicherweise zu diesem ohnehin schon erhöhten Morgenwert.

Der langfristige Effekt: Warum Kaffeetrinker seltener Diabetes bekommen

Kurz gesagt: Große Beobachtungsstudien finden bei Menschen mit regelmäßigem Kaffeekonsum ein niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes, unabhängig davon, ob der Kaffee koffeinhaltig oder entkoffeiniert getrunken wird.

Während sich die akuten Studien meist auf wenige Stunden nach dem Kaffeetrinken beschränken, blicken die Langzeitstudien auf Jahre und teils Jahrzehnte. Van Dam und Hu (2014) werteten in einer vielzitierten systematischen Übersichtsarbeit mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse im Fachjournal Diabetes Care zahlreiche prospektive Kohortenstudien aus. Der übergreifende Befund: Je mehr Tassen Kaffee pro Tag, desto niedriger tendenziell das Risiko, im Beobachtungszeitraum an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Der Zusammenhang zeigte sich sowohl für koffeinhaltigen als auch für entkoffeinierten Kaffee.

Genau dieser letzte Punkt ist der Schlüssel zum Verständnis des scheinbaren Widerspruchs. Wenn Koffein allein für die Schutzwirkung verantwortlich wäre, müsste entkoffeinierter Kaffee deutlich schlechter abschneiden als koffeinhaltiger. Das ist in den ausgewerteten Studien nicht der Fall. Die Forschung geht deshalb davon aus, dass andere Inhaltsstoffe des Kaffees für den langfristigen Zusammenhang eine wichtigere Rolle spielen als das Koffein selbst.

Chlorogensäure und andere Polyphenole

Kurz gesagt: Chlorogensäure, ein Polyphenol im Kaffee, gilt in Übersichtsarbeiten als einer der Hauptkandidaten für das niedrigere Diabetesrisiko bei Kaffeetrinkern.

Kaffee enthält eine große Menge an Chlorogensäure, eine Verbindung aus der Gruppe der Polyphenole. In der Übersichtsarbeit von Marventano et al. (2016) zu Kaffee-Inhaltsstoffen und Typ-2-Diabetes wird Chlorogensäure als einer der Hauptkandidaten für den beobachteten Zusammenhang diskutiert. Mögliche Mechanismen, die in Labor- und Tierversuchen beschrieben wurden, umfassen eine Verzögerung der Glukoseaufnahme im Darm, eine geringere Zuckerneubildung in der Leber und antioxidative Effekte, die oxidativen Stress in den Zellen reduzieren können. Wie belastbar sich diese Labor-Mechanismen auf den Menschen im Alltag übertragen lassen, ist in der Forschung noch nicht abschließend geklärt.

Magnesium

Kurz gesagt: Kaffee liefert eine relevante Menge Magnesium, das an der Insulinwirkung in der Zelle beteiligt ist und dessen Mangel mit höherem Diabetesrisiko verbunden wird.

Kaffee liefert außerdem eine relevante Menge Magnesium. Ein niedriger Magnesiumspiegel wird in der Forschung wiederholt mit einem höheren Diabetesrisiko in Verbindung gebracht, unter anderem weil Magnesium an mehreren Schritten der Insulinwirkung in der Zelle beteiligt ist. Bei Menschen, die regelmäßig mehrere Tassen Kaffee trinken, kann dieser Beitrag zur Magnesiumzufuhr über die Zeit einen messbaren Unterschied machen.

Weitere Kaffee-Inhaltsstoffe

Kurz gesagt: Neben Chlorogensäure und Magnesium enthält Kaffee weitere Stoffe wie Trigonellin und Lignane, denen ebenfalls eine mögliche Rolle beim Zuckerstoffwechsel zugeschrieben wird.

Neben Chlorogensäure und Magnesium enthält Kaffee weitere Stoffe wie Trigonellin, Lignane und verschiedene Mineralstoffe, denen in der Forschung ebenfalls eine mögliche Rolle beim Zuckerstoffwechsel zugeschrieben wird. Insgesamt gilt Kaffee in der Fachliteratur inzwischen als komplexes Getränk mit mehreren potenziell gegenläufigen Wirkungen, nicht als einzelner Wirkstoff mit einem einzigen Effekt.

Wie passt das zusammen? Die Auflösung des Widerspruchs

Kurz gesagt: Der akute Koffein-Effekt (Stunden, über Adrenalin) und der langfristige Kaffee-Effekt (Jahre, über Chlorogensäure und Magnesium) widersprechen sich nicht wirklich, sie betreffen unterschiedliche Zeiträume und wahrscheinlich unterschiedliche Wirkstoffe im Getränk.

Der kurzfristige Effekt, den die eingangs beschriebenen Studien zeigen, betrifft die Stunden direkt nach dem Kaffeetrinken und wird überwiegend dem Koffein zugeschrieben, über die Ausschüttung von Adrenalin und verwandten Mechanismen. Der langfristige Effekt aus den Beobachtungsstudien betrifft dagegen den Gesundheitszustand über Jahre und wird eher mit den nicht-koffeinhaltigen Bestandteilen des Kaffees in Verbindung gebracht, insbesondere Chlorogensäure und Magnesium.

Ein einzelner Kaffee am Morgen kann also theoretisch den Blutzuckerausschlag nach dem Frühstück etwas verstärken, während dieselbe Gewohnheit, über Jahre beibehalten, statistisch mit einem niedrigeren Diabetesrisiko einhergeht. Beide Beobachtungen stammen aus unterschiedlichen Studiendesigns: akute Laborversuche mit wenigen Teilnehmenden über wenige Stunden auf der einen Seite, große Bevölkerungsstudien über Jahre auf der anderen Seite. Ein direkter, ursächlicher Beweis, dass genau diese beiden Mechanismen sich in jedem einzelnen Menschen exakt so gegenseitig ausgleichen, existiert nicht. Es handelt sich um eine plausible Erklärung für ein Muster, das sich in der bisherigen Forschung wiederholt zeigt, nicht um einen lückenlos bewiesenen Kausalzusammenhang.

Wer bereits erhöhte Werte hat oder abklären lässt, wie ausgeprägt eine Insulinresistenz ist, findet im Artikel Insulinresistenz Symptome erkennen weitere Hintergründe dazu, wie sich eine verminderte Insulinwirkung im Alltag bemerkbar machen kann.

Schwarzer Kaffee, Milchkaffee oder mit Zucker: Macht die Zubereitung den Unterschied?

Kurz gesagt: Schwarzer Kaffee ohne Zusätze enthält selbst praktisch keine Kohlenhydrate. Zucker, Sirup und stark gesüßte Milchalternativen liefern dagegen eigene, schnell wirksame Kohlenhydrate, die zusätzlich zum Koffein-Effekt auf den Blutzucker wirken.

Die bisher beschriebenen Studien beziehen sich überwiegend auf schwarzen Kaffee ohne Zucker. Der gemessene Effekt geht dort tatsächlich auf das Koffein zurück, nicht auf Kohlenhydrate im Getränk selbst, denn schwarzer Kaffee hat praktisch keine.

Sobald Zucker, Sirup, Kondensmilch oder stark gesüßte Kaffeespezialitäten dazukommen, ändert sich die Ausgangslage grundlegend. Diese Zusätze liefern eigene, oft schnell verwertbare Kohlenhydrate, die den Blutzucker unabhängig vom Koffein anheben, ganz ähnlich wie jedes andere zuckerhaltige Getränk. Der in den Langzeitstudien beobachtete Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und niedrigerem Diabetesrisiko bezieht sich in aller Regel auf klassischen gebrühten oder gefilterten Kaffee, nicht auf stark gesüßte Varianten oder Energydrinks mit Koffeinzusatz.

Ein normaler Schuss Milch ohne Zucker verändert die Blutzuckerwirkung des Kaffees selbst kaum, da die enthaltene Laktose in üblichen Mengen nur einen kleinen Kohlenhydratanteil beisteuert. Wer seine Ernährung bei erhöhten Werten insgesamt überdenken möchte, findet im Artikel Ernährung bei hohem Blutzucker eine umfassendere Übersicht, welche Lebensmittel und Getränke sich günstig oder ungünstig auswirken.

Was das für den Alltag mit Diabetes oder erhöhten Werten bedeutet

Kurz gesagt: Ein pauschaler Verzicht auf Kaffee ist nach aktueller Studienlage nicht notwendig. Sinnvoller ist es, die eigene Reaktion zu beobachten, da sie individuell unterschiedlich ausfallen kann.

Aus den beschriebenen Studien lässt sich keine generelle Empfehlung ableiten, Kaffee bei Diabetes oder erhöhten Werten zu meiden. Der akute Effekt auf die Insulinsensitivität ist real, aber in seiner Größenordnung von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und der langfristige Zusammenhang mit einem niedrigeren Diabetesrisiko spricht ebenfalls nicht für einen generellen Verzicht.

Ein paar praktische Ansatzpunkte, die sich aus den beschriebenen Mechanismen ableiten lassen:

Wer merkt, dass die eigenen Werte nach Kaffee regelmäßig deutlich aus dem gewohnten Rahmen fallen, oder wer unsicher ist, wie Koffein mit der eigenen Diabetes-Medikation zusammenspielt, sollte das gezielt mit der Ärztin, dem Arzt oder dem Diabetes-Team besprechen. Die Reaktion auf Koffein ist individuell unterschiedlich, und nur die eigene, über mehrere Tage beobachtete Werte-Kurve gibt darüber verlässlich Auskunft, nicht eine allgemeine Studie.

Kaffee und Blutzucker haben also kein einfaches Ja-oder-Nein-Verhältnis. Kurzfristig kann Koffein die Insulinwirkung etwas schwächen, langfristig ist regelmäßiger Kaffeekonsum eher mit einem niedrigeren Diabetesrisiko verbunden. Wer wissen will, was für die eigenen Werte gilt, kommt am zuverlässigsten mit der eigenen Beobachtung weiter, nicht mit einer pauschalen Regel aus dem Internet.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und basiert auf öffentlich zugänglicher wissenschaftlicher Literatur. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Menschen mit Diabetes sollten Veränderungen bei Ernährungs- oder Trinkgewohnheiten, einschließlich des Kaffeekonsums, im Zweifel mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder dem Diabetes-Team besprechen, insbesondere wenn Medikamente eingenommen werden, die den Blutzucker beeinflussen.

Dieser Artikel enthält keine Produktempfehlungen oder Partnerlinks.

Häufig gestellte Fragen

Reines Koffein kann kurzfristig die Insulinsensitivität senken und dadurch den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit verstärken. Das zeigen mehrere kontrollierte Studien, unter anderem eine Untersuchung der University of Bath (2022), bei der Kaffee vor dem Frühstück zu einem deutlich höheren Blutzuckeranstieg führte als eine Nacht mit gestörtem Schlaf ohne Kaffee. Schwarzer Kaffee ohne Zucker enthält selbst praktisch keine Kohlenhydrate, das Koffein darin kann die Zuckerverwertung aber trotzdem kurzfristig beeinflussen.

Das ist die Auffälligkeit, die viele Menschen verwirrt. Beobachtungsstudien mit großen Teilnehmerzahlen finden bei regelmäßigen Kaffeetrinkern ein niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes, und zwar unabhängig davon, ob der Kaffee koffeinhaltig oder entkoffeiniert ist. Das deutet darauf hin, dass nicht das Koffein für den Schutzeffekt verantwortlich ist, sondern andere Inhaltsstoffe des Kaffees wie Chlorogensäure und Magnesium, die den Zuckerstoffwechsel auf andere Weise beeinflussen als die akute Koffeinwirkung.

Ja, einen großen. Schwarzer Kaffee ohne Zusätze hat praktisch keine Kohlenhydrate und damit keinen eigenen direkten Effekt auf den Blutzucker über den Zuckergehalt. Kaffee mit Zucker, Sirup oder gesüßter pflanzlicher Milch liefert dagegen schnell verwertbare Kohlenhydrate, die den Blutzucker zusätzlich zum Koffein-Effekt anheben. Wer Kaffee bei erhöhtem Blutzucker im Blick behalten möchte, sollte deshalb vor allem auf das achten, was zusätzlich in die Tasse kommt.

Ein pauschaler Verzicht ist nach aktueller Studienlage nicht notwendig. Die Reaktion auf Kaffee fällt aber individuell unterschiedlich aus. Manche Menschen mit Diabetes bemerken nach dem Kaffeetrinken einen spürbaren Anstieg der Werte, andere nicht. Wer das für sich klären möchte, kann die eigenen Werte vor und nach dem Kaffeetrinken mit dem Messgerät beobachten und das Ergebnis mit dem Diabetes-Team besprechen.

Genau dieser Zeitpunkt wird in Studien am häufigsten untersucht, und der akute Effekt scheint dort besonders ausgeprägt zu sein. Kaffee direkt nach dem Aufwachen und vor dem Frühstück trifft außerdem auf einen Körper, der durch das sogenannte Dawn-Phänomen ohnehin schon eine morgendliche Erhöhung der Blutzuckerwerte zeigen kann. Wer das beobachten möchte, kann testweise erst frühstücken und danach Kaffee trinken.

Nein, die Beobachtungsstudien beziehen sich auf klassischen gebrühten oder gefilterten Kaffee, nicht auf zuckerhaltige Energydrinks oder stark gesüßte Kaffeespezialitäten. Bei diesen Getränken überwiegt der Effekt der zugesetzten Kohlenhydrate den möglichen Nutzen der Kaffee-Inhaltsstoffe deutlich. Die Aussagen zu einem geringeren Diabetesrisiko lassen sich deshalb nicht auf jedes koffeinhaltige Getränk übertragen.

Lisa Bauer, Redaktion GesundheitsKompass

Über die Autorin

Lisa Bauer

Recherche & Redaktion · GesundheitsKompass

Lisa Bauer recherchiert für GesundheitsKompass die Studienlage zu Blutzucker, Stoffwechsel und Nahrungsergänzungsmitteln. Grundlage jeder Einordnung sind veröffentlichte Studien sowie die Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft und des Robert Koch-Instituts. GesundheitsKompass ist unabhängig von Herstellern und gibt keine medizinische Beratung.

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